„aufgefahren in den Himmel“

21.5.

Himmelfahrt ist das Fest der Thronbesteigung. Jesus ist auferstanden, er war leiblich bei seinen Jüngern, hat mit ihnen geredet, sie getröstet, gesandt und berufen.

Nach vierzig Tagen endete diese Zeit. Sie hatten sich auf einem Berg in Galiläa verabredet, dort, wo alles begonnen hatte. Jetzt sind sie wieder hier. Jesus verspricht ihnen: Ihr werdet meine Zeugen sein. Dann entzieht er sich , fährt auf in den Himmel, wie es der Evangelist Lukas erzählt.

An diesen vierzig Tagen wäre ich auch gern dabei gewesen. Jesus war da, man konnte ihn alles fragen. Die Gemeinschaft der Jünger trug weiter. Doch Jesus will mehr als eine vertraute Runde. Er will für alle Menschen da sein.

Himmelfahrt - fühlt sich ein bisschen an wie social distancing. Zur Zeit sind wir ja auch getrennt von lieben Menschen, die uns eigentlich sehr nahe sind. Himmelfahrt: Jesus ist eben nicht mehr greifbar und sichtbar. Wir können gerade nachvollziehen, dass das ein Unterschied ist, ob ich jemanden treffe, berühren kann, oder ob nicht.

Mir hilft es, wenn ich mir klarmache, wofür das Wort „Himmel“ eigentlich steht. In vielen Sprachen ist „Himmel“ eine Metapher für die Welt Gottes. Eine ziemlich treffende, wie ich finde. Der Himmel ist nämlich wie Gott: Ich kann ihn nicht umgreifen, aber er umgreift mich. Ich bin immer unter dem Himmel, er ist immer über mir. Er ist ganz nahe da, beginnt gleich über meinem Kopf - aber anfassen kann ich ihn nicht; und wie weit ich auch hinaufsteige, der Himmel ist immer noch über mir.

Jesus ist in den Himmel aufgefahren. Er ist überall da, immer nur ein Gebet von mir entfernt.

Er sieht mich, er liebt mich, er ist der Herr. Das darf mich beunruhigen, denn er möchte, dass ich seinen Willen tue. Und es darf mich trösten, denn sein Wille ist gut, und er will mir dabei helfen.

Himmelfahrt: Jesus ist König und mein Freund. Seine Gegenwart erfüllt die Erde. In ihm ist das Geheimnis des Lebens offenbar. Himmelfahrt ist das Fest seiner Thronbesteigung.

Gott ist gegenwärtig.
Lasset uns anbeten
und in Ehrfurcht vor ihn treten.
Gott ist in der Mitte.
Alles in uns schweige
und sich innigst vor ihm beuge.
Wer ihn kennt, wer ihn nennt,
schlag die Augen nieder;
kommt, ergebt euch wieder.

Du durchdringest alles;
lass dein schönstes Lichte,
Herr, berühren mein Gesichte.
Wie die zarten Blumen
willig sich entfalten
und der Sonne Stille halten,
lass mich so still und froh
deine Strahlen fassen
und dich wirken lassen.

Gerhard Tersteegen

Ein fröhliches Himmelfahrtsfest wünscht

Ihr Pfarrer Otto Guggemos

 (Bild: Norbert Hübsch)