Kinder beim Abendmahl

„Lasst die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn ihnen gehört das Reich Gottes. Wahrlich ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, wird nicht hineinkommen.“ (Markus 10,14f)

In Heinersreuth nehmen Kinder am Abendmahl teil. In der Regel sind Kinder bei Abendmahlsfeiern dabei, weil sie mit ihren Eltern im Gottesdienst sind. Es geht darum dass die Kinder bei der gemeinsamen Feier dabei sind. Die Verantwortung dafür tragen die Erwachsenen, die die Kinder mitnehmen. Sie sollen ihnen das Abendmahl erklären und sie mit hinein nehmen. Dass sie das können, dafür steht ihre Konfirmation. Meistens werden das die Eltern sein, aber es wäre auch eine besondere Aufgabe für die Paten.

 

Für viele ist der Gedanke gewöhnungsbedürftig, dass Kinder am Abendmahl teilnehmen dürfen. Viele sind damit aufgewachsen, dass die Konfirmation die Zulassung zum Abendmahl ist. Darum möchte ich hier auf die wichtigsten Einwände kurz eingehen:

1. „Kinder verstehen die Bedeutung des Abendmahles nicht.“

Da geht es uns Erwachsenen auch nicht viel anders. Außerdem dürften wir Kinder dann auch nicht taufen, das verstehen sie nämlich auch nicht.

Die eigentliche Frage ist, wie man Sakramente überhaupt verstehen kann: Man versteht sie im Feiern. Das Abendmahl erschließt sich im Gottesdienst, Stück für Stück, durch das Wort in der Gemeinschaft mit Jesus Christus und den Mitchristen. Dieses Verstehen geschieht nicht nur mit dem Kopf, auch mit dem Kopf, aber viel mehr mit dem Herzen. Und gerade dabei haben Kinder uns Erwachsenen etwas voraus. Sie können sich viel unmittelbarer auf das Wunder des Abendmahls einlassen.

2. „Die Zulassung zum Abendmahl erfolgt mit der Feier der Konfirmation.“

Oft ist es leider so, dass Jugendliche bei der Konfirmation nicht nur zum ersten Mal, sondern auch zum letzten Mal am Abendmahl teilnehmen. Sie haben während der Konfirmandenzeit keine Beziehung dazu aufgebaut, haben nur zugesehen, nicht gefeiert. Das Jugendalter ist die schwierigste Zeit, sich auf Rituale und Traditionen neu einzulassen. Kinder dagegen lieben Rituale.

Hinter dem Einwand steckt oft die Befürchtung, die Konfirmation würde entwertet. Wir müssen uns also überlegen, wozu die Konfirmation eigentlich da ist - eine bedeutende Frage! Konfirmation ist die Bestätigung der Taufe, das Ja zum christlichen Glauben, nachdem man sich eingehend mit Glaubensfragen beschäftigt hat, der Segen für den Weg als mündiger Christ.

3. „Erwachsene werden durch Kinder in ihrer inneren Anteilnahme gestört.“

Viele Gemeinden machen die gegenteilige Erfahrung. Kinder nehmen voller Ernst am Abendmahl teil und ermutigen durch ihr unbeschwertes Vorbild die Erwachsenen.

Und wenn es so wäre: Jeder kann sich im Gottesdienst an irgendetwas stören. Wir alle sind müssen Rücksicht aufeinander nehmen, so verschieden wir sind.

4. „Das war schon immer so.“

Nein, das war nicht schon immer so. In Heinersreuth kennen wir es freilich nicht anders, aber das Christentum ist eine alte und weltweite Religion. Erst im 13. Jahrhundert setzte sich in der katholischen Kirche der Brauch durch, Getaufte erst nach einer besonderen Zulassung zum Abendmahl zu lassen.

 

Schon bei der Landessynode 1978 äußerte der damalige Landesbischof Hanselmann: „Kinder, die getauft sind können nicht grundsätzlich vom heiligen Abendmahl ausgeschlossen werden.“ Bei der Synode 2000 empfahl Landesbischof Friedrich den Kirchenvorständen die Einführung von Abendmahlsfeiern mit Kindern ausdrücklich. Er hatte sie mit seinen Kindern selbst erlebt. Die Entscheidung liegt seitdem bei den Kirchenvorständen am Ort, die den Auftrag haben, über Gottesdienst und Verkündigung zu wachen. Seit 1979 haben viele Gemeinden diesen Impuls aufgegriffen und in ihrer Praxis umgesetzt.

Wir haben uns dafür entschieden. Unter dem Strich war in meinen Augen zwei Grundfragen ausschlaggebend:

1. Theologisch: Haben wir das Recht, Kinder vom Abendmahl auszuschließen? – Ich denke, jeder getaufte Christ hat das gleiche Recht, beim Abendmahl dabei zu sein.

2. Pädagogisch: In welchem Alter kann man Menschen am besten ans Abendmahl hinführen? – Jugendliche tun sich damit am schwersten, Kinder haben dazu einen unmittelbaren Zugang.

 

Otto Guggemos